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Die polnische
Ratspräsidentschaft
Am 1.Juli
übernimmt Polen erstmals die EU-Ratspräsidentschaft und wird sechs Monate lang
die wichtige Rolle des Moderators auf der Suche nach Kompromissen zwischen den
27 EU-Mitgliedsstaaten übernehmen. Auf die polnischen Vertreter warten große
Herausforderungen, da die Präsidentschaft in eine Zeit wirtschaftlicher
Unstetigkeit sowie finanzieller und währungspolitischer Turbulenzen fällt.
Auffällig war jedoch bereits im Vorfeld, wie ernst die Polen ihre
Präsidentschaftsrolle nehmen, in ganz Europa um Unterstützung für ihre Anliegen
warben und ihre Verwaltung akribisch auf die anstehenden Aufgaben
vorbereiteten. Auch zu
zahlreichen zivilgesellschaftlichen Organisationen nahmen sie zum Zweck der
frühzeitigen Abstimmung engeren Kontakt auf.
Sie können dabei auf eine nationale Öffentlichkeit zählen, die zu fast 80 % die
Rolle der EU positiv einschätzt.
Allerdings überschatten die für Oktober angesetzten nationalen Parlamentswahlen
die Präsidentschaft, da sie voraussichtlich mit einer medialen Schlammschlacht
von Seiten der Opposition einher gehen werden und Aufmerksamkeit sowie Energie
der polnischen Regierung auf die nationale Ebene lenken werden.
Polen eröffnet eine
neue Triopräsidentschaft, zu der auch Dänemark und Zypern als designierte Nachfolger
für 2011 gehören, und übernimmt damit große Verantwortung, da in den nächsten
sechs Monaten die politische Leitlinie des
Rates der Europäischen Union bis Ende kommenden Jahres festgelegt wird.
Im wirtschaftlichen Bereich soll die Wettbewerbsfähigkeit verbessert und der
Binnenmarkt weiter ausgebaut werden, insbesondere durch die endgültige Einführung
eines europäischen Patents. Zudem fallen die Verhandlungen für den EU-Haushalt
2013-2020 in den Zeitraum der polnischen Präsidentschaft, die sich vorgenommen
hat, diese so weit wie möglich voranzubringen.
Dank guter Kontakte der polnischen Verwaltung zu Parlamentspräsident Buzek und Finanzkommissar Lewandowski möchte
Polen darauf achten, dass hier das Prinzip der Umverteilung zugunsten
wirtschaftsschwächerer Länder innerhalb der EU gewährleistet bleibt.
Unter dem Motto „Sicheres Europa“ planen die Polen Maßnahmen zur Energie- und
Lebensmittelsicherheit, Bereiche, die zuletzt durch Skandale (wie EHEC) sowie
Preis- und Versorgungsunsicherheit aufgefallen sind. Als Befürworter einer
„Eastern Partnership“ schwebt den Polen außerdem eine engere Anbindung der EU
an die östlichen Nachbarn (Ukraine, Weißrussland, Moldawien, Staaten des
Kaukasus) vor, wobei der Bericht der Kommission zur Europäischen
Nachbarschaftspolitik vom Mai 2011 Grundlage dieser Aktivitäten bilden soll.
Politische Unwägbarkeiten kann aber auch eine noch so gründliche Vorbereitung nicht
ausschließen: So kommt die polnische Präsidentschaft nicht darum umhin, zu den
politischen Umwälzungen im arabischen Raum Stellung zu nehmen. Sie betonte,
dass die östliche Partnerschaft als Modell für die nordafrikanischen
Mittelmeerstaaten fungieren könnte.
Der
Bildungsbereich rangiert zwar nicht ganz oben auf der Prioritätenliste der
polnischen Präsidentschaft, bietet jedoch eine ganze Reihe an Aspekten, zu
denen die Polen bereits Stellung genommen haben. Im Zentrum der polnischen
Bemühungen steht die Bildungsmobilität, und zwar von Schülern, Lehrern und
Studenten, also im Grundschul- und Sekundarbereich sowie an den Universitäten.
Anschließend an die Eastern Partnership zielt die polnische Präsidentschaft
auch darauf hin, die östlichen Nachbarländer der EU in die Mobilitätsprogramme
mit einzubeziehen, wobei die Form noch unklar ist.
Dies kommt nicht von ungefähr, hat Polen doch innerhalb der EU die
Vorreiterrolle im Kampf um die Demokratisierung und engere Anbindung
insbesondere der Ukraine und Weißrusslands an die EU übernommen. Konkret soll
die Mobilität vor allem dadurch verbessert werden, dass die
Schlüsselkompetenzen inhaltlich auf sie ausgerichtet und die
Unterrichtsangebote in den Fremdsprachen ausgebaut werden.
Im Jugendbereich
hat sich die Präsidentschaft als Ergebnis von Diskussionen mit zivilgesellschaftlichen
Bildungsorganisationen zum Ziel gesetzt, dem „Youth-in-the-World“-Programm
besondere Unterstützung zukommen zu lassen. Ziel des Programmes ist es,
Jugendliche aus der EU und aus östlichen und südlichen Nachbarländern im Rahmen
von Aktivitäten des nichtformalen und informellen Lernens und
Freiwilligenarbeit zusammenzubringen und das Verständnis für einander zu
erhöhen. Schließlich
wird die Modernisierung der Universitäten ein weiterer Eckpfeiler in der
Bildungspolitik darstellen.
Auf kultureller
Ebene schließlich setzt sich die polnische Präsidentschaft vorrangig für die Culture-
und Europe-for-Citizens-Programm der Kommission ein und plädiert für einen
nachhaltigeren Einsatz zugunsten von Kultur- und Kunsterziehung nicht nur für
Schüler, sondern für alle Altersklassen. Auch soll die Digitalisierung im
Kulturbereich, durch Projekte wie die European
Digital Library Europeana, weiter vorangetrieben werden.